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5 Sterne,  Fantasy,  Jugendbuch,  Rezension

[Rezension] Ava Reid: A Study in Drowning

(Werbung, da Rezensionsexemplar)

Manche Bücher verzaubern nicht nur durch ihre Geschichte, sondern auch durch ihre Sprache – und genau so ein Buch ist dieses.

Architekturstudentin Effy kann ihr Glück kaum fassen: Sie darf das Anwesen ihres verstorbenen Lieblingsautors renovieren! Doch Hiraeth Manor ist verfallener als gedacht und wird zunehmend vom Meer verschlungen. Genau so sehr, wie Effy von den Sagen über den Elfenkönig verfolgt wird. Und dann ist da auch noch Preston: der Literaturstudent, der den Nachlass des Autors sichtet – und den Effy von der ersten Sekunde an nicht ausstehen kann. Bis sie gemeinsam einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen …

(Klappentext nach Verlag)

Das Buch wird als poetisches Meisterwerk beschrieben – eine Mischung aus Fantasy und Mystery mit einer kraftvollen Enemies-to-Lovers-Dynamik. Letzteres würde ich jedoch etwas relativieren: Die anfängliche Abneigung der Protagonisten ist zwar spürbar, steht aber keineswegs im Mittelpunkt der Handlung.

Im Zentrum der Geschichte steht unsere Protagonistin Effy, die eine beeindruckende Entwicklung durchläuft. Vom schüchternen, jungen Mädchen reift sie zu einer taffen und schlagfertigen jungen Frau heran. Preston, der sich ebenfalls auf dem Anwesen des kürzlich verstorbenen Autors wiederfindet, spielt – obwohl er Teil der Enemies-to-Lovers-Dynamik ist – eine wesentliche Rolle in Effys Entwicklung. Er ist eine absolute Green Flag und unterstützt sie trotz anfänglicher Antipathie maßgeblich.

Im Gegensatz dazu stehen die weiteren, überwiegend männlichen Charaktere des Romans: Männer, die panische Angst davor haben, sich einen Zacken aus der Krone ihrer Männlichkeit zu brechen, und Frauen grundsätzlich nichts zutrauen. So wird Effy beispielsweise das Literaturstudium verwehrt, weil man Frauen nicht für fähig hält, Worte zu verstehen und zu schreiben. Doch sie lässt sich davon nicht entmutigen – sie beißt sich in dieser dominanten Männerwelt durch und beweist am Ende mehr Standhaftigkeit als so mancher Macho in diesem Werk.

Genau das hat mir unglaublich gut gefallen: eine starke Protagonistin, die wächst, kämpft und sich nicht unterkriegen lässt.

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Bei der Rolle des Elfenkönigs in diesem Buch war ich mir stellenweise unsicher, ob es sich tatsächlich um ein Fantasyelement handelt oder eher um ein Synonym für Männer, die sich widerlich und herablassend gegenüber Frauen verhalten. Im Buch wird erwähnt, dass der Elfenkönig sich jeden Mann als Wirt suchen kann und eingedämmt werden muss.

Daher halte ich es für gut möglich, dass der Elfenkönig lediglich als sprachliches Mittel dient – eine Metapher für Effys Kampf gegen die arroganten und herablassenden Männer in ihrem Umfeld.

Ein sprachlich wunderschönes Buch mit einer starken Botschaft. Die Mischung aus Fantasy und Gesellschaftskritik gibt der Geschichte eine besondere Tiefe, und Effys Entwicklung hat mich total begeistert. Besonders spannend fand ich die Darstellung des Elfenkönigs – vielleicht ein echtes Fantasyelement, vielleicht aber auch ein Symbol für die herablassenden Männer in Effys Umfeld. So oder so: Ein Buch, das nachhallt und zum Nachdenken anregt. Absolute Leseempfehlung! 

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